Finanzminister Görke übergibt Groß Glienicker See an Landeshauptstadt Potsdam

Damit sind schon 116 der 186 vor Privatisierung bewahrten Seen im Land an Kommunen übergegangen

Pots­dam – Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und Pro­tes­ten gegen eine mög­li­che Pri­va­ti­sie­rung von Gewäs­sern im Land Bran­den­burg hat heu­te Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke einen wei­te­ren vom Bund über­nom­me­nen See an die Kom­mu­ne vor Ort über­tra­gen: Der Minis­ter über­gab sym­bo­lisch den west­li­chen, im Land Bran­den­burg gele­ge­nen Teil des Groß Glie­ni­cker Sees an die Lan­des­haupt­stadt Pots­dam, in deren gleich­na­mi­gen Orts­teil der Groß Glie­ni­cker See liegt. Bei der Über­ga­be des rund 36 Hekt­ar gro­ßen Teils des Sees über­reich­te der Minis­ter im Bei­sein des Orts­vor­ste­hers von Groß Glie­ni­cke, Win­fried Strä­ter, Ober­bür­ger­meis­ter Jann Jakobs eine ent­spre­chen­de Urkun­de. Der öst­li­che Teil des Groß Glie­ni­cker Sees ist rund 30 Hekt­ar groß und liegt auf dem Gebiet des Lan­des Ber­lin.

Finanz­mi­nis­ter Gör­ke: „Jah­re­lang sorg­te die Pri­va­ti­sie­rung von Seen in Bran­den­burg für Streit und Unru­he. Man möge sich nur ein­mal vor­stel­len, der Groß Glie­ni­cker See, des­sen Name der angren­zen­de Pots­da­mer Orts­teil trägt, wäre pri­va­ti­siert wor­den und viel­leicht schon wie­der nicht mehr für die Groß Glie­ni­cker zugäng­lich gewe­sen“, blick­te Finanz­mi­nis­ter Gör­ke bei der Über­ga­be auf der Bade­wie­se zurück und spiel­te damit auf die Zeit der Deut­schen Tei­lung an, als am west­li­chen Ufer des Sees die Mau­er ver­lief. Das Land habe trotz der ursprüng­li­chen Auf­fas­sung, dass der Bund die Gewäs­ser kos­ten­los dem Land über­tra­gen möge, die Über­tra­gung gegen einen Aus­gleichs­be­trag aus­ge­han­delt, um in Groß Glie­ni­cke und andern­orts im Land die Gewäs­ser in öffent­li­chem Besitz zu hal­ten.

Ober­bür­ger­meis­ter Jakobs: „Für die Lan­des­haupt­stadt Pots­dam ist es wich­tig, dass sie künf­tig über den Bran­den­bur­ger Teil des Groß Glie­ni­cker Sees ver­fü­gen kann. Das ist auch ein Signal für die Wie­der­her­stel­lung der Ufer­zo­ne und einen für die All­ge­mein­heit offen gehal­te­ten Ufer­weg. Ich freue mich auch dar­über, dass die Über­tra­gung die­ser Hälf­te des Sees, wie ver­spro­chen, zum 750. Geburts­tag von Groß Glie­ni­cke über die Büh­ne geht. Das hat eine gro­ße sym­bo­li­sche Bedeu­tung für den Orts­teil, aber auch für die Lan­des­haupt­stadt.“

Um den öffent­li­chen Zugang für die Bran­den­bur­ge­rin­nen und Bran­den­bur­ger zu den Gewäs­sern zu erhal­ten, hat­te sich das Land Bran­den­burg beim Bund gegen eine Pri­va­ti­sie­rung und zunächst für eine kos­ten­lo­se Über­tra­gung der Seen ein­ge­setzt. Nach­dem der Bund dies ablehn­te, einig­te sich Bran­den­burgs Finanz­mi­nis­te­ri­um mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) und der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (BImA) auf die Über­nah­me von inzwi­schen 186 Seen oder Teil­flä­chen von Seen für ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro.

Fer­ner erläu­ter­te der Finanz­mi­nis­ter Gör­ke bei der Über­ga­be, dass von den inzwi­schen 186 über­nom­me­nen Gewäs­ser­flä­chen mit dem Groß Glie­ni­cker See schon 116 in den Besitz der jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort über­ge­gan­gen sind. Für eini­ge Gewäs­ser­flä­chen lägen die Vor­aus­set­zun­gen zur Über­tra­gung auf die Kom­mu­nen noch nicht vor. Ent­we­der es ste­he noch aus, dass das Land als Eigen­tü­mer ins Grund­buch ein­ge­tra­gen sei oder die betrof­fe­nen Kom­mu­nen hät­ten noch nicht den erfor­der­li­chen Über­nah­me­be­schluss gefasst.

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Zum Hin­ter­grund:

Nach Pro­tes­ten aus den neu­en Bun­des­län­dern, ins­be­son­de­re Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg, hat­te sich die BVVG auf Initia­ti­ve von SPD und Lin­ke im August 2009 bereit­erklärt, im Rah­men eines Mora­to­ri­ums die wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung von Seen aus dem Treu­hand­ver­mö­gen vor­erst ein­zu­stel­len und Ver­hand­lun­gen mit den Län­dern auf­zu­neh­men.

Inzwi­schen hat sich das Land Bran­den­burg mit der BVVG und der BImA auf vier Gewäs­ser­pa­ke­te geei­nigt, mit denen das Land ins­ge­samt 186 Seen für ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro über­nom­men hat.

Die Mehr­heit der vom Land über­nom­me­nen Seen wird den jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort oder dem jewei­li­gen Land­kreis zur unent­gelt­li­chen Über­nah­me ange­bo­ten. 20 Gewäs­ser­flä­chen aus dem soge­nann­ten ers­ten Gewäs­ser­pa­ket wur­den wegen des ange­mel­de­ten unmit­tel­ba­ren Lan­des­be­darfs der Landes­natur­schutz­flächen­verwaltung beziehungs­weise der Landes­forst­flächen­verwaltung zuge­ord­net. Für die­se Gewäs­ser ist vor­ge­se­hen, dass sie auf Antrag und Gre­mi­en­be­schluss der jewei­li­gen Kom­mu­ne, nach Prü­fung durch das fach­lich zustän­di­ge Minis­te­ri­um und Zustim­mung des Kabi­netts nach einem fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren auf die jewei­li­ge Kom­mu­ne über­tra­gen wer­den kön­nen.