Finanzminister Görke (l.) bei der symbolischen Übergabe des Großen Mochowsee an den Bürgermeister Gemeinde Schwielochsee Rainer Hilgenfeld (Foto: MdF/Krink)

Finanzminister Görke übergibt Großen Mochowsee an Gemeinde Schwielochsee

Damit sind schon 75 der 186 vor Privatisierung bewahrten Seen im Land an Kommunen übergegangen

Schwie­loch­see – Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und Pro­tes­ten gegen eine mög­li­che Pri­va­ti­sie­rung von Gewäs­sern im Land Bran­den­burg hat heu­te Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke einen wei­te­ren vom Bund über­nom­me­nen See an die Kom­mu­ne vor Ort über­tra­gen: Der Minis­ter über­gab sym­bo­lisch den Gro­ßen Mochow­see an die Gemein­de Schwie­loch­see (Dah­me-Spree­wald). Bei der Über­ga­be am rund 130 Hekt­ar gro­ßen See über­reich­te der Minis­ter Rai­ner Hil­gen­feld, dem Bür­ger­meis­ter der Gemein­de Schwie­loch­see, eine ent­spre­chen­de Urkun­de.

Um den öffent­li­chen Zugang für die Bran­den­bur­ge­rin­nen und Bran­den­bur­ger zu den Gewäs­sern zu erhal­ten, hat­te sich das Land Bran­den­burg beim Bund gegen eine Pri­va­ti­sie­rung und zunächst für eine kos­ten­lo­se Über­tra­gung der Seen ein­ge­setzt. Nach­dem der Bund dies ablehn­te, einig­te sich Bran­den­burgs Finanz­mi­nis­te­ri­um mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) und der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (BImA) auf die Über­nah­me von inzwi­schen 186 Seen oder Teil­flä­chen von Seen für ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro.

Jah­re­lang sorg­te die Pri­va­ti­sie­rung von Seen in Bran­den­burg für Streit und Unru­he. Auch die Ein­woh­ner und Kom­mu­nal­ver­tre­ter Ihrer Gemein­de woll­ten den all­ge­mei­nen Zugang und die öffent­li­che Nut­zung des Gro­ßen Mochow­sees erhal­ten“, blick­te Finanz­mi­nis­ter Gör­ke bei der Über­ga­be zurück. Das Land habe die­ses Anlie­gen unter­stützt und daher ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Absicht den Aus­gleichs­be­trag gezahlt. Der Gro­ße Mochow­see habe unter allen 186 über­nom­me­nen Seen zudem „eine beson­de­re Geschich­te“. „Er gehör­te ursprüng­lich zu jenen 20 Seen, die auf­grund ihrer beson­de­ren lan­des­wei­ten Bedeu­tung nicht den Kom­mu­nen, son­dern dem Umwelt­schutz beziehungs­weise der Forst­ver­wal­tung zuge­ord­net wer­den soll­ten“, erläu­ter­te der Finanz­mi­nis­ter.

Und wei­ter sag­te er: „Im Juni 2014 haben wir im Kabi­nett beschlos­sen, dass auch jene Seen mit beson­de­rer Lan­des­be­deu­tung an Kom­mu­nen über­tra­gen wer­den kön­nen, wenn Umwelt­schutz-Auf­la­gen erfüllt wer­den.“ Eine sol­che Ver­ein­ba­rung sei dann zwi­schen dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um und der Gemein­de Schwie­loch­see im Juli 2014 geschlos­sen wor­den.

Fer­ner erläu­ter­te der Finanz­mi­nis­ter, dass von den inzwi­schen 186 über­nom­me­nen Gewäs­ser­flä­chen mit dem Gro­ßen Mochow­see schon 75 in den Besitz der jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort über­ge­gan­gen sind. Für eini­ge Gewäs­ser­flä­chen lägen die Vor­aus­set­zun­gen zur Über­tra­gung auf die Kom­mu­nen noch nicht vor. Ent­we­der es ste­he noch aus, dass das Land als Eigen­tü­mer ins Grund­buch ein­ge­tra­gen sei oder die betrof­fe­nen Kom­mu­nen hät­ten noch nicht den erfor­der­li­chen Über­nah­me­be­schluss gefasst.

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Zum Hin­ter­grund:

Nach Pro­tes­ten aus den neu­en Bun­des­län­dern, ins­be­son­de­re Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg, hat­te sich die BVVG auf Initia­ti­ve von SPD und Lin­ke im August 2009 bereit­erklärt, im Rah­men eines Mora­to­ri­ums die wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung von Seen aus dem Treu­hand­ver­mö­gen vor­erst ein­zu­stel­len und Ver­hand­lun­gen mit den Län­dern auf­zu­neh­men.

Inzwi­schen hat sich das Land Bran­den­burg mit der BVVG und der BImA auf vier Gewäs­ser­pa­ke­te geei­nigt, mit denen das Land ins­ge­samt 186 Seen für ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro über­nom­men hat.

Die Mehr­heit der vom Land über­nom­me­nen Seen wird den jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort oder dem jewei­li­gen Land­kreis zur unent­gelt­li­chen Über­nah­me ange­bo­ten. 20 Gewäs­ser­flä­chen aus dem soge­nann­ten ers­ten Gewäs­ser­pa­ket wur­den wegen des ange­mel­de­ten unmit­tel­ba­ren Lan­des­be­darfs der Landesnaturschutz­flächen­verwaltung beziehungs­weise der Landesforst­flächenverwaltung zuge­ord­net. Für die­se Gewäs­ser ist vor­ge­se­hen, dass sie auf Antrag und Gre­mi­en­be­schluss der jewei­li­gen Kom­mu­ne, nach Prü­fung durch das fach­lich zustän­di­ge Minis­te­ri­um und Zustim­mung des Kabi­netts nach einem fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren auf die jewei­li­ge Kom­mu­ne über­tra­gen wer­den kön­nen.