Land Brandenburg übernimmt weitere 57 Gewässer und Gewässerteilflächen vom Bund

Damit schon 185 Gewässer vor Privatisierung bewahrt

Pots­dam – Die Zahl der Gewäs­ser, die das Land Bran­den­burg vor der Pri­va­ti­sie­rung bewahrt, steigt wei­ter: Bran­den­burgs Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke hat jetzt eine Ver­ein­ba­rung mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) zur Über­nah­me von wei­te­ren 57 Gewäs­sern und Teil­flä­chen von Gewäs­sern im Land Bran­den­burg unter­zeich­net. Der Finanz­mi­nis­ter beton­te, dass mit die­sen 57 Gewäs­ser­flä­chen das Land nun ins­ge­samt 185 Gewäs­ser vom Bund über­nom­men und damit den öffent­li­chen Zugang zu ihnen gesi­chert hat.

Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke: „Ich gebe zu, dass es zunächst schwer nach­zu­voll­zie­hen war, dass der Bund nicht bereit war, die Seen kos­ten­los auf Bran­den­burg zu über­tra­gen. Schließ­lich han­delt es sich bei den Seen um Volks­ei­gen­tum, das der Bund von der DDR ‚geerbt‘ hat­te.“ Man sei den­noch den Schritt gegan­gen, da das Posi­ti­ve über­wie­ge. „Man stel­le sich nur kurz vor, die­se 185 Seen wären pri­va­ti­siert wor­den und womög­lich wäre der Zugang zu eini­gen der Gewäs­ser nicht mehr mög­lich. Das Unver­ständ­nis der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger hät­te ich voll und ganz nach­voll­zie­hen kön­nen. Ganz zu schwei­gen von den nega­ti­ven Fol­gen für den Tou­ris­mus im Land.“

Gemäß der nun geschlos­se­nen Ver­ein­ba­rung hat das Land Bran­den­burg neben den 57 Gewässer(teil)flächen – zu denen unter ande­rem der Krum­mer See im Boit­zen­bur­ger Land (Ucker­mark) und der Pfer­de­teich in Döbern (Spree-Nei­ße) zäh­len – wei­te­re Flä­chen über­nom­men, die sechs bereits über­nom­me­ne Gewäs­ser­flä­chen ergän­zen. Hier­zu gehö­ren unter ande­rem der Fünf­ei­cher See in der Gemein­de Schlau­be­tal (Oder-Spree) und der Mot­zener See in der Stadt Mit­ten­wal­de (Dah­me-Spree­wald). Die ins­ge­samt 63 Gewäs­ser beziehungs­weise Teil­flä­chen von Gewäs­sern sind der zwei­te Teil des soge­nann­ten drit­ten Gewäs­ser­pa­ke­tes, das das Finanz­mi­nis­te­ri­um mit der BVVG geschlos­sen hat­te. Es han­delt sich dabei vor­ran­gig um Gewäs­ser­flä­chen, die klei­ner als fünf Hekt­ar sind. Für die­se Flä­chen mit ins­ge­samt rund 300 Hekt­ar Flä­che zahl­te das Land einen Aus­gleichs­be­trag von rund 460.000 Euro.

Ins­ge­samt hat das Land Bran­den­burg bis heu­te vier Gewäs­ser­pa­ke­te mit dem Bund geschlos­sen. Für die in der Sum­me 185 Gewäs­ser­flä­chen zahl­te das Land Aus­gleich­be­trä­ge von ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro. Wäh­rend die ers­ten bei­den mit der BVVG geschlos­se­nen Pake­te vor­ran­gig Gewäs­ser mit jeweils mehr als fünf Hekt­ar Flä­che umfass­ten, gehö­ren zum drit­ten – eben­falls mit der BVVG geschlos­se­nen – Paket klei­ne­re Gewäs­ser­flä­chen. Das vier­te Gewäs­ser­pa­ket han­del­te das Finanz­mi­nis­te­ri­um mit der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (BImA) aus. Die Über­nah­me wei­te­rer Gewässer(teil)flächen wird der­zeit geprüft.

Um den öffent­li­chen Zugang für die Bran­den­bur­ge­rin­nen und Bran­den­bur­ger zu den Gewäs­sern zu erhal­ten, hat­te sich das Land Bran­den­burg beim Bund gegen eine Pri­va­ti­sie­rung und zunächst für eine kos­ten­lo­se Über­tra­gung der Seen ein­ge­setzt. Nach­dem der Bund dies ablehn­te, einig­te sich Bran­den­burgs Finanz­mi­nis­te­ri­um mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) und der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (BImA) auf die Gewäs­ser­pa­ke­te.

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Zum Hin­ter­grund:

Nach Pro­tes­ten aus den neu­en Bun­des­län­dern, ins­be­son­de­re Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg, hat­te sich die BVVG auf Initia­ti­ve von SPD und Lin­ke im August 2009 bereit­erklärt, im Rah­men eines Mora­to­ri­ums die wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung von Seen aus dem Treu­hand­ver­mö­gen vor­erst ein­zu­stel­len und Ver­hand­lun­gen mit den Län­dern auf­zu­neh­men.

Inzwi­schen hat sich das Land Bran­den­burg mit der BVVG und der BImA auf vier Gewäs­ser­pa­ke­te geei­nigt, mit denen das Land ins­ge­samt 185 Seen oder Teil­flä­chen von Gewäs­sern für ins­ge­samt rund 6,8 Mil­lio­nen Euro über­nom­men hat.

Die Mehr­heit der vom Land über­nom­me­nen Seen wird den jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort oder dem jewei­li­gen Land­kreis zur unent­gelt­li­chen Über­nah­me ange­bo­ten. 19 Gewäs­ser­flä­chen aus dem soge­nann­ten ers­ten Gewäs­ser­pa­ket wur­den wegen des ange­mel­de­ten unmit­tel­ba­ren Lan­des­be­darfs der Landesnatur­schutz­flächenverwaltung beziehungs­weise der Landes­forst­flächen­verwaltung zuge­ord­net. Für die­se Gewäs­ser ist vor­ge­se­hen, dass sie auf Antrag und Gre­mi­en­be­schluss der jewei­li­gen Kom­mu­ne, nach Prü­fung durch das fach­lich zustän­di­ge Minis­te­ri­um und Zustim­mung des Kabi­netts nach einem fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren auf die jewei­li­ge Kom­mu­ne über­tra­gen wer­den kön­nen.