Winter am Mellensee (Foto: Löwe 48/panoramio/wikimedia)

Land übergibt Teile des Mellensees an gleichnamige Kommune

Finanzstaatssekretärin Trochowski überträgt Teile des Gewässers
In der Gemeinde hatten sich Bürger gegen Privatisierung durch Bund gewehrt

Potsdam/ Am Mel­len­see– Im Rah­men des 13. Fischer­fes­tes hat heu­te Bran­den­burgs Finanz­staats­se­kre­tä­rin Danie­la Tro­chow­ski die auf dem Ter­ri­to­ri­um der Gemein­de Am Mel­len­see lie­gen­den Tei­le des Mel­len­sees an die gleich­na­mi­ge Kom­mu­ne über­ge­ben. Der ande­re, sich auf das Gebiet der Stadt Zos­sen (bei­de Tel­tow-Flä­ming) erstre­cken­de Teil des Mel­len­sees wird auf die Stadt Zos­sen über­tra­gen. Sym­bo­lisch für das Gewäs­ser über­gab Finanz­staats­se­kre­tä­rin Tro­chow­ski eine Urkun­de an Frank Bro­shog, den Bür­ger­meis­ter der amts­frei­en Gemein­de Am Mel­len­see. Der Mel­len­see gehört zu dem ers­ten, 65 Gewäs­ser umfas­sen­den Seen­pa­ket, das das Land für ins­ge­samt 3,74 Mil­lio­nen Euro vom Bund über­nom­men hat­te, um eine Pri­va­ti­sie­rung zu ver­hin­dern und den öffent­li­chen Zugang zum See zu sichern.

Finanz­staats­se­kre­tä­rin Tro­chow­ski beton­te bei der sym­bo­li­schen Über­ga­be des Gewäs­sers, dass sich in der Gemein­de Am Mel­len­see im Jahr 2007 vie­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger gegen eine Pri­va­ti­sie­rung des Sees durch die bun­des­ei­ge­ne Boden­ver­wer­tungs- und ‑ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) gewehrt hat­ten. „Hier in der Gemein­de gab es Irri­ta­tio­nen, als bei der Bean­tra­gung von För­der­mit­teln für die Errich­tung eines Beob­ach­tungs­stegs die BVVG eine ent­spre­chen­de Bestä­ti­gung mit dem Hin­weis ver­sag­te, man wis­se nicht, ob das im Inter­es­se eines künf­ti­gen Besit­zes des Sees wäre“, blick­te Tro­chow­ski zurück. In der Fol­ge hät­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in der Gemein­de Unter­schrif­ten gegen eine Pri­va­ti­sie­rung und für einen öffent­li­chen Zugang zum See gesam­melt. Dies sei in eine ent­spre­chen­de Online-Peti­ti­on an den Deut­schen Bun­des­tag gemün­det, erin­ner­te Tro­chow­ski, die das The­ma auch über­re­gio­nal bekannt gemacht hät­te.

Wir als Land haben die­ses Anlie­gen unter­stützt und ent­spre­chend gehan­delt. Man stel­le sich nur ein­mal vor, der namens­ge­ben­de See der Gemein­de wäre nicht für die Öffent­lich­keit zugäng­lich“, beton­te Tro­chow­ski. Den­noch sei für sie die Über­nah­me der Seen mit einem wei­nen­den und einem lachen­den Auge ver­bun­den gewe­sen, da die dama­li­ge schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung nicht bereit gewe­sen sei, die Seen kos­ten­los an Bran­den­burg zu über­tra­gen. „Gene­rell hal­te ich es nach wie vor für pro­ble­ma­tisch, dass der Bund für Seen, die vor­mals dem Volks­ver­mö­gen der DDR zuge­ord­ne­ten waren und wei­ter­hin in der öffent­li­chen Hand ver­blei­ben, einen Ver­kaufs­er­lös erzie­len will“, kri­ti­sier­te Tro­chow­ski. Aber gera­de am Bei­spiel des Mel­len­sees wer­de deut­lich, dass es den­noch rich­tig gewe­sen sei, als Land die Seen zu sichern, „um damit auch künf­tig den öffent­li­chen Zugang zu die­sen Gewäs­sern zu gewähr­leis­ten und eine Pri­va­ti­sie­rung zu ver­hin­dern“.

Das Land Bran­den­burg hat­te sich im August 2012 mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ‑ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) auf die Über­nah­me von 65 Seen für ins­ge­samt 3,74 Mil­lio­nen Euro geei­nigt. 46 der 65 Seen aus dem ers­ten Seen­pa­ket über­trägt das Land Bran­den­burg nach jet­zi­ger Pla­nung nach Zustim­mung des Aus­schus­ses für Haus­halt und Finan­zen des Land­ta­ges Bran­den­burg unent­gelt­lich an die jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort (soge­nann­te Bele­gen­heits­kom­mu­nen). Die 19 wei­te­ren Seen sind der Landes­natur­schutz­flächen­verwaltung (13) und der Lan­des­forst­ver­wal­tung (sechs) zuge­ord­net, kön­nen aber auf Antrag und Gre­mi­en­be­schluss der jewei­li­gen Bele­gen­heits­kom­mu­ne sowie nach Prü­fung durch das fach­lich zustän­di­ge Minis­te­ri­um und nach Zustim­mung des Kabi­netts die­sen über­tra­gen wer­den.

Par­al­lel zu die­ser Über­tra­gung von Gewäs­ser­flä­chen auf die Kom­mu­nen über­nimmt das Land wei­te­re Gewäs­ser­flä­chen, um auch für die­se Gewäs­ser den Ver­kauf an Pri­vat­ei­gen­tü­mer zu ver­hin­dern und damit den Zugang für die Öffent­lich­keit zu sichern. Am 17. Juni 2014 ermäch­tig­te die Lan­des­re­gie­rung den Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke, die Ver­ein­ba­rung über ein zwei­tes, zwi­schen dem Finanz­mi­nis­te­ri­um und der BVVG abschlie­ßend ver­han­del­tes Seen­pa­ket abzu­schlie­ßen. Damit über­nimmt das Land Bran­den­burg von der BVVG ins­ge­samt wei­te­re 51 Gewäs­ser und teil­wei­se Gewäs­ser­rand­strei­fen mit einer Gesamt­flä­che von 820,51 Hekt­ar. Dafür zahlt das Land einen Aus­gleichs­be­trag von 1,72 Mil­lio­nen Euro. Gleich­zei­tig stimm­te die Lan­des­re­gie­rung zu, dass das Finanz­mi­nis­te­ri­um auch die begon­ne­nen Ver­hand­lun­gen zu einem drit­ten und vier­ten Gewäs­ser­pa­ket zum Abschluss bringt.

Zum Hin­ter­grund:

Nach Pro­tes­ten aus den neu­en Bun­des­län­dern, ins­be­son­de­re Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg, hat­te sich die BVVG auf Initia­ti­ve von SPD und Lin­ke im August 2009 bereit­erklärt, im Rah­men eines Mora­to­ri­ums die wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung von Seen aus dem Treu­hand­ver­mö­gen vor­erst ein­zu­stel­len und Ver­hand­lun­gen mit den Län­dern auf­zu­neh­men.

Ers­tes Seen­pa­ket: Im August 2012 hat­te sich das Land Bran­den­burg mit der BVVG auf die Über­nah­me von 65 Seen zu einem Betrag von ins­ge­samt 3,74 Mil­lio­nen Euro geei­nigt, Ende Janu­ar 2013 stimm­te die Lan­des­re­gie­rung der Über­nah­me zu. Zu die­sem ers­ten Paket gehö­ren unter ande­rem der Fahr­län­der See in Pots­dam, der Mel­len­see im Land­kreis Tel­tow-Flä­ming und der Dreetz­see im Land­kreis Ober­ha­vel. Ins­ge­samt umfasst das Paket 3.135 Hekt­ar Was­ser­flä­che nebst angren­zen­den Ufer­flä­chen ver­schie­de­ner Nut­zungs­ar­ten.

Zwei­tes Seen­pa­ket: Mit dem zwei­ten Paket über­nimmt das Land Bran­den­burg von der BVVG ins­ge­samt 51 Gewäs­ser und teil­wei­se Gewäs­ser­rand­strei­fen mit einer Gesamt­flä­che von 820,51 Hekt­ar für einen Aus­gleichs­be­trag von 1,72 Mil­lio­nen Euro.

Drit­tes Seen­pa­ket: Das Land ver­han­delt mit der BVVG über wei­te­re Seen, die klei­ner als fünf Hekt­ar, aber grö­ßer als ein Hekt­ar sind.

Vier­tes Seen­pa­ket: Mit der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben ver­han­delt das Land die Über­nah­me wei­te­rer Gewäs­ser.