Symbolische Übergabe der ersten Gewässer an Brandenburgs Kommunen. Hier Minister Görke (rechts) mit Angermündes Bürgermeister Wolfgang Krakow (links) und Landrat Dietmar Schulze. (Foto: MdF)

Symbolische Übergabe des ersten Seenpakets an Brandenburgs Kommunen

Finanzminister Görke übergibt stellvertretend für gesamtes Paket vier Seen an die Stadt Angermünde

Potsdam/ Anger­mün­de – Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und Pro­tes­ten gegen eine mög­li­che Pri­va­ti­sie­rung von Gewäs­sern hat heu­te Bran­den­burgs Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke die Seen aus dem ers­ten vom Bund über­nom­me­nen Seen­pa­ket sym­bo­lisch an die Kom­mu­nen im Land über­ge­ben. Stell­ver­tre­tend für die 46 Seen über­gab der Finanz­mi­nis­ter die vier in der Gemar­kung von Anger­mün­de lie­gen­den Seen an den Bür­ger­meis­ter der ucker­mär­ki­schen Stadt, Wolf­gang Kra­kow. Am Ufer des Gro­ßen Peet­zigsees über­reich­te er dem Anger­mün­der Stadt­ober­haupt im Bei­sein des Land­ra­tes der Ucker­mark, Diet­mar Schul­ze, ein Ruder mit einer Inschrift zur Über­ga­be des ers­ten Seen­pa­ke­tes. Neben dem Gro­ßen Peetzigsee/Burgsee erhält Anger­mün­de aus dem Paket auch den Rosin­see, den Dob­ber­zi­ner See und den Petsch­see unent­gelt­lich vom Land.

Ansicht des am 4.7.2017 symbolisch überreichten Ruders (Foto: MdF)

Ansicht des am 4.7.2017 sym­bo­lisch über­reich­ten Ruders (Foto: MdF)

Finanz­mi­nis­ter Gör­ke beton­te bei der sym­bo­li­schen Über­ga­be des Seen­pa­kets: „Mit der Über­nah­me von Seen und Ufer­flä­chen in Lan­des­ei­gen­tum und der unent­gelt­li­chen Über­tra­gung die­ser Gewäs­ser an die Kom­mu­nen stellt das Land Bran­den­burg sicher, dass auch künf­ti­ge Genera­tio­nen frei­en Zugang zu den Bran­den­bur­ger Seen haben.“

Der Minis­ter unter­strich wei­ter, dass die Über­nah­me der Seen für ihn mit einem wei­nen­den und einem lachen­den Auge ver­bun­den gewe­sen sei. Einer­seits sei die dama­li­ge schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung nicht bereit gewe­sen, die Seen kos­ten­los an Bran­den­burg zu über­tra­gen. „Gene­rell hal­te ich es nach wie vor für pro­ble­ma­tisch, dass der Bund für Seen, die vor­mals dem Volks­ver­mö­gen der DDR zuge­ord­ne­ten waren und wei­ter­hin in der öffent­li­chen Hand ver­blei­ben, einen Ver­kaufs­er­lös erzie­len will“, kri­ti­sier­te Gör­ke. Ande­rer­seits hal­te er es unter die­sen poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen für rich­tig, als Land die Seen zu sichern, „um damit auch künf­tig den öffent­li­chen Zugang zu die­sen Gewäs­sern zu gewähr­leis­ten und eine Pri­va­ti­sie­rung zu ver­hin­dern“.

Das Land Bran­den­burg hat­te sich im August 2012 mit der bun­des­ei­ge­nen Boden­ver­wer­tungs- und ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH (BVVG) auf die Über­nah­me von 65 Seen für ins­ge­samt 3,74 Mil­lio­nen Euro geei­nigt. 46 der 65 Seen aus dem ers­ten Seen­pa­ket über­trägt das Land Bran­den­burg nach jet­zi­ger Pla­nung nach Zustim­mung des Aus­schus­ses für Haus­halt und Finan­zen des Land­ta­ges Bran­den­burg unent­gelt­lich an die jewei­li­gen Kom­mu­nen vor Ort. Die 19 wei­te­ren Seen sind der Landes­natur­schutz­flächen­verwaltung (13) und der Lan­des­forst­ver­wal­tung (sechs) zuge­ord­net, kön­nen aber auf Antrag der Kom­mu­nen vor Ort die­sen über­tra­gen wer­den.

Am 17. Juni 2014 stimm­te das Kabi­nett außer­dem einer Vor­la­ge von Finanz­mi­nis­ter Gör­ke zu einem zwei­ten Seen­pa­ket zu. Der Finanz­mi­nis­ter wur­de mit dem Beschluss ermäch­tigt, die Ver­ein­ba­rung über das zwei­te, zwi­schen dem Finanz­mi­nis­te­ri­um und der BVVG ver­han­del­te Paket abzu­schlie­ßen. Damit über­nimmt das Land Bran­den­burg von der BVVG ins­ge­samt wei­te­re 51 Gewäs­ser und teil­wei­se Gewäs­ser­rand­strei­fen mit einer Gesamt­flä­che von 820,51 Hekt­ar. Dafür zahlt das Land einen Aus­gleichs­be­trag von 1,72 Mil­lio­nen Euro. Zu die­sem zwei­ten Gewäs­ser­pa­ket gehö­ren neben zum Teil klei­ne­ren Seen bei­spiels­wei­se auch der Annahüt­ter See in der Gemein­de Schip­kau (Ober­spree­wald-Lau­sitz) mit einer Gesamt­flä­che von rund 203 Hekt­ar, der Gött­in­see bei Ket­zin (Pots­dam-Mit­tel­mark) mit einer Grö­ße von rund 20 Hekt­ar und eini­ge Gewäs­ser, wie bei­spiels­wei­se der Prer­au­er Stich in Zehdenick/Oberhavel, an denen nur Teil­ei­gen­tum des Bun­des besteht. Gleich­zei­tig stimm­te die Lan­des­re­gie­rung zu, dass das Finanz­mi­nis­te­ri­um auch die begon­ne­nen Ver­hand­lun­gen zu einem drit­ten und vier­ten Gewäs­ser­pa­ket zum Abschluss bringt.

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Zum Hin­ter­grund:

Nach Pro­tes­ten aus den neu­en Bun­des­län­dern, ins­be­son­de­re Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg, hat­te sich die BVVG auf Initia­ti­ve von SPD und Lin­ke im August 2009 bereit­erklärt, im Rah­men eines Mora­to­ri­ums die wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung von Seen aus dem Treu­hand­ver­mö­gen vor­erst ein­zu­stel­len und Ver­hand­lun­gen mit den Län­dern auf­zu­neh­men.

Ers­tes Seen­pa­ket: Im August 2012 hat­te sich das Land Bran­den­burg mit der BVVG auf die Über­nah­me von 65 Seen zu einem Betrag von ins­ge­samt 3,74 Mil­lio­nen Euro geei­nigt, Ende Janu­ar 2013 stimm­te die Lan­des­re­gie­rung der Über­nah­me zu. Zu die­sem ers­ten Paket gehö­ren unter ande­rem der Fahr­län­der See in Pots­dam, der Mel­len­see im Land­kreis Tel­tow-Flä­ming und der Dreetz­see im Land­kreis Ober­ha­vel. Ins­ge­samt umfasst das Paket 3.135 Hekt­ar Was­ser­flä­che nebst angren­zen­den Ufer­flä­chen ver­schie­de­ner Nut­zungs­ar­ten.

Zwei­tes Seen­pa­ket: Mit dem zwei­ten Paket über­nimmt das Land Bran­den­burg von der BVVG ins­ge­samt 51 Gewäs­ser und teil­wei­se Gewäs­ser­rand­strei­fen mit einer Gesamt­flä­che von 820,51 Hekt­ar für einen Aus­gleichs­be­trag von 1,72 Mil­lio­nen Euro.

Drit­tes Seen­pa­ket: Das Land ver­han­delt mit der BVVG über wei­te­re Seen, die klei­ner als fünf Hekt­ar, aber grö­ßer als ein Hekt­ar sind.

Vier­tes Seen­pa­ket: Mit der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben ver­han­delt das Land die Über­nah­me wei­te­rer Gewäs­ser.